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23.11.2015


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Der bundesweite  „Tag des Vorlesens“ verstrich am Gymnasium Zwiesel nicht ungenutzt, war doch der aus Pfaffenhofen stammende Schriftsteller Steffen Kopetzky an der Schule zu Gast,  um den Schülerinnen und Schülern der Oberstufe seinen äußerst erfolgreichen Roman „Risiko“ vorzustellen.
Zuerst schilderte der Autor ausführlich und äußerst anschaulich, wie er überhaupt zur Thematik des Buches gekommen war. Den Kern der Geschichte bildet eine historische deutsche Geheimexpedition nach Kabul, die von 1914 - 1916 dauerte, die sogenannte Niedermayer-Hentig-Expedition. Der bayerische Offizier Oskar Niedermayer und seine Mitstreiter hatten von Kaiser Wilhelm II. den Auftrag erhalten,  Afghanistan auf Seiten der Mittelmächte, also von Deutschland und Österreich, in den Ersten Weltkrieg ziehen. Der Emir von Afghanistan Habibullah und die Stämme der Paschtunen sollten im Namen des Islam zum Angriff auf Britisch-Indien bewegt werden.
Kopetzky zeigte dazu unter anderem ein Foto dieses Oskar Niedermayer, der in seiner Abenteurerpose einem Orientroman Karl Mays entstiegen zu sein schien. Durch eine politische Weltkarte von 1914 machte der Schriftsteller deutlich, warum Afghanistan, ein Land ohne besondere wirtschaftliche Bedeutung,  allein durch seine Lage zwischen Russland und Indien schon vor Beginn des Ersten Weltkrieges eine solch wichtige geopolitische Rolle zukam.

Ein weiteres zentrales Motiv des Romans bilden zwei im Jahr 1914 vor dem albanischen Durazzo im Mittelmeer liegende deutsche Kriegsschiffe. Diesen kam zu Beginn des Ersten Weltkrieges eine Schlüsselrolle in der Beziehung des Deutschen Kaiserreiches zum Osmanischen Reich zu. Nach einer gefahrvollen Flucht vor der Englischen Flotte fanden der Große Kreuzer SMS Goeben und der Kleine Kreuzer SMS Breslau im Hafen von Konstantinopel Schutz, wo sie als Geschenk des Deutschen Kaisers kurzerhand der Osmanischen Flotte eingegliedert wurden. Die deutschen Matrosen und Offiziere wurden über Nacht zu Osmanen - wie Kopetzky schmunzelnd bemerkte, wohl die ersten deutschen Gastarbeiter in der Türkei!

Natürlich wurden auch mehrere zentrale Passagen aus „Risiko“ vorgetragen, in welchen die Zuhörer den Marinefunker  Sebastian Stichnote kennenlernten, der zunächst auf der Breslau Dienst tut und später unter Oskar Niedermayer an der Afghanistanexpedition teilnimmt. Der Leser wird ihn zunächst im Mittelmeer antreffen, wo er sich in eine schöne Albanerin verliebt, und ihn dann über Konstantinopel nach Syrien, Bagdad, Teheran, Isfahan und schließlich durch die persische Wüste bis nach Kabul begleiten, unterwegs mit der Bagdadbahn, zu Pferd und auf Kamelen.
Auch hier unterstützte Kopetkzky seinen Vortrag durch eindrucksvolle Bilder, die den Schülern verdeutlichten, wie z.B. die unwirtliche, tückische Salzwüste Kawir aussieht und wie man sich eine paschtunische Nomadenfamilie oder den Emir Habibullah vorstellen muss.

Nach der Lesung bedankte sich StD Hans Welsch als Beauftragter für Leseförderung herzlich bei Herrn Steffen Kopetzky für höchst interessante, lehrreiche und auch unterhaltsame eineinhalb Stunden. Er betonte, dass er „Risiko“ mit großer Begeisterung gelesen habe und empfahl das Buch den anwesenden Schülern wärmstens. Durch diesen spannenden Roman sieht man heutige Probleme wie den Krieg in Syrien, das Bundeswehrengagement in Afghanistan und auch den islamistischen Terror in einem anderen Licht. Der Blick in die Geschichte wie in einen „fernen Spiegel“ klärt das Verständnis für die Gegenwart.

Hans Welsch