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20.10.2017


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Profisportler Thomas Schmidberger motiviert Gymnasiasten

Die Aula des Gymnasiums Zwiesels füllt sich mit fröhlichem Stimmengewirr, über hundert Schüler nehmen ihre Plätze ein und schauen gespannt nach vorne. Ein dynamischer junger Mann, voller Energie und positiver Ausstrahlung begrüßt sie, er bewegt sich auf die Schüler zu, beginnt aus seinem Leben zu erzählen und fast vergisst man, dass ihn ein Handicap kennzeichnet: Thomas Schmidberger sitzt im Rollstuhl, eine Querschnittlähmung macht seinen Körper ab der Brust bewegungsunfähig.
Doch unbeschwert und zurecht stolz beginnt er, über sein Leben zu referieren und die Daten klingen unglaublich: Tom ist ein Tischtennisstar, Profisportler mit unzähligen Erfolgen, 2010 Vizeweltmeister in Korea, 2014 Vizeweltmeister bei der WM in China, Weltmeister im Team, Silber im Einzel bei den Paralympics in Rio de Janeiro – ganz vorne in den Weltranglisten des Tennissports mit 200 Reisetagen im Jahr.


Wie kann man Derartiges bewältigen? Mit Staunen und gefesselt lauschen die Schüler den Erzählungen des jungen, kaum 26jährigen Sportlers: Nachdem er im Alter von 4 Jahren von einem Auto erfasst worden war und eine Querschnittslähmung sein Leben von einem Tag auf den anderen veränderte, blieb er dennoch der quirlige Junge, der weiter im Fußballverein mitmischte - als Torwart im Rollstuhl – und dabei auch sein Idol Oliver Kahn traf, der seine schulische Laufbahn am Gymnasium Viechtach absolvierte und sogar ein Studium der Sportökonomie in Bayreuth im Februar mit der Bachelorarbeit abschließt.
Über sein Leben hat er ein Motto von Goethe gestellt: „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen!“ Und die wichtige Stütze, die er dabei benötigte, so Thomas Schmidberger, war, etwas zu finden, das ihn interessierte!
Natürlich gab es dabei auch eine Reihe von Tiefpunkten im Leben des jungen Sportprofis, Verletzungen, Niederlagen. Wie wird man damit fertig? So auch die Frage der Schüler an Tom: Wichtig sind die Menschen in unserem Leben, die uns beistehen – betont Thomas – sein Bruder, Freunde, die Familie – aber auch seit einiger Zeit ein vierbeiniger Begleiter, der Labrador Sam.
Und wichtig ist mentales Training: Gespräche mit Psychologen, das Sich-von –der-Seele-Reden belastender Gedanken, das Beherrschen der Nervosität, das Lernen von Ritualen zur Gelassenheit! Ein wichtiger Tipp vielleicht auch für den Alltag so manchen Schülers.
In einer abschließenden Fragerunde wurde der Tischtennisstar dann auch noch von seinen jungen Zuhörern interviewt: Ob er denn Autofahren könne? Wie lange ein Trainingstag sei? Ob Menschen ihn mitleidig ansähen? Und welche Ziele habe er?
Geduldig und offen gab Thomas Schmidberger Auskunft, sprach über sein Ziel der Goldmedaille bei Olympia, den Wunsch einer barrierefreien Gestaltung von Städten für Rollstuhlfahrer, von gelebter Inklusion und von der Wichtigkeit, auch für andere Benachteiligte zu wirken. So hat er seine Gewinnprämie von Rio an ein Mädchenhaus der südamerikanischen Stadt gespendet, als er – abseits von den schön präparierten Seiten der Stadt – auch das Elend der Metropole kennengelernt hat!
„Eine neue Welt“ – so der Slogan der Paralympics in Rio – könnte so auch zum Motto für uns alle werden!
Voller Begeisterung applaudierten die Schüler dem so sympathischen und aktiven Sportler am Schluss seines Vortrags und ließen sich nicht davon abhalten, Autogramme zu ergattern und ein Tischtennismatch gegen den Profi zu versuchen!


Martina Kuchler