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01.03.2019


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P-Seminar in der Musikabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek

Das P-Seminar Musik des Gymnasiums Zwiesel unter Leitung von StD Stefan Urlbauer absolvierte im März einen äußerst interessanten Besuch in der Landeshauptstadt München, um das Ergebnis seiner Arbeit dem Leiter der Musikabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek Dr. Reiner Nägele zu übergeben: Ein Geheft mit alten Volksliedern aus dem Zwieseler Winkel aus der Zeit vor 100 Jahren. Für diese außergewöhnliche Arbeit ist das P-Seminar Musik des Jahrgangs 2019 ausgezeichnet worden mit dem 1. Preis auf Bezirksebene des Kultusministeriums.

In König Ludwigs Prunkbau
In München wurden die Schüler von Franz Götz in der beeindruckenden Vorhalle der Staatsbibliothek herzlich begrüßt und erfuhren, dass der Bau des Gebäudes von König Ludwig I. angeregt und im klassischen Stil errichtet wurde. Danach schritten die Schüler die repräsentative Treppe, die in früheren Zeiten nur dem König vorbehalten war und ohne Ziel an einer Mauer endete, gemessenen Schrittes hinauf, um oben von Dr. Nägele begrüßt und in die Arbeit der Bayerischen Staatsbibliothek eingeführt zu werden. Diese umfasst einen Bestand von rund 11 Millionen Büchern, von denen nur 4 Millionen vor Ort gelagert werden, während die anderen in Garching ausgelagert sind.
Die Musikabteilung sammelt und kauft aber nicht nur Bücher über Musik, Komponisten etc., sondern sie legt ihr Augenmerk speziell auf die Archivierung von Musik in Form von Notenbüchern oder -blättern. Aber auch die modernen Medien wie Podcasts oder Streaming finden heutzutage Eingang in die Sammlung.

Im Reich der Kataloge und Nummerierungen
Besonders Nachlässe von Komponisten werden der Staatsbibliothek immer wieder angeboten, die gesichtet und beurteilt werden hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Musikwelt, um dann archiviert zu werden. Dr. Reiner Nägele betont allerdings, dass es nicht ausreicht, die Quellen zu sichern, sondern diese müssen von interessierten Bürgern auch auffindbar sein. Deshalb bekommt jedes Buch oder Notenblatt sofort eine Nummer, die den Ort anzeigt, an dem es gelagert wird. Frau Dr. Sabine Kurth, die gerade die Herkulesarbeit der Katalogisierung und Kategorisierung des historischen Archivs des Schott-Verlags aus Mainz bewältigen muss, gibt Einblick, welche Überlegungen dabei notwendig sind, damit jeder, der daraus ein Notenbuch oder Musikstück sucht, es auch mit nachvollziehbaren Suchbegriffen findet. Ansonsten wäre dieses historisch interessante Notenmaterial völlig nutzlos.

In den Weiten der Digitalisierung
Zum Glück gibt es die Digitalisierung, die in der Musikabteilung schon sehr lange praktiziert wird und nun einen großen Bereich der Arbeit der gesamten Staatbibliothek ausmacht. Auf diese Weise wird auch sehr altes Notenmaterial für die allgemeine Benutzung per Internet gesichert, ohne dass weiter Beschädigungen durch Licht und Berührung erfolgen. Diesbezüglich kämpfen, laut Dr. Kurth, alle Bibliotheken mit dem Tintenfraß bei Dokumenten aus Papier. Als besonders eindrucksvolles Beispiel zeigt Franz Götz den Schülern ein kleines privates Gesangsbüchlein eines Klosterschülers aus dem Jahr 1803, in dem dieser nicht nur die Texte der Lieder, wie z.B. das Knödellied, die er gesungen hat, sondern auch die Melodien eingetragen hat.
Das Problem der Archivierung der bayerischen Musik ist, dass zwar die Texte, aber meist nicht die Melodie aufgeschrieben wurden. Zur Rekonstruktion helfen auch Bilder, auf denen Musiker abgebildet sind, damit man rekonstruieren kann, mit welchen und mit wie vielen Musikinstrumenten überhaupt begleitet wurde. Der Leiter der Münchner Arbeitsstelle des internationalen Quellenlexikons der Musik informiert die Schüler darüber, dass die deutsche Abteilung nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurde und als Ziel hat, Musikstücke zu sammeln und festzuhalten, wo sich die Originale befinden.

Im Labyrinth der Regale
Zum Abschluss durften die Schüler noch in den siebten Stock des Gebäudes fahren, da sich in der Staatsbibliothek das Archiv in den oberen Stockwerken befindet, und staunten nicht schlecht, als sie einen 165 Meter langen Gang betrachten konnten, der rechts und links von Regalen mit Büchern gesäumt wird. Hier lernten sie auch das Transportsystem der Staatsbibliothek kennen, das mit Körben die bestellten Bücher auf einem Laufband durch das ganze Gebäude zum Benutzer im Erdgeschoss transportiert. Ein gemeinsames Essen beendete den recht aufschlussreichen Besuch in München in ein unglaublich umfangreiches Archiv, das nun um die interessante Sammlung der Zwieseler Schüler reicher ist.

Ingrid Weber