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08.01.2020


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Lesung von Matthias Lisse am Gymnasium

In diesem Jahr jährt sich der Fall der Mauer zum 30. Mal. Die Zwieseler Oberstufenschüler haben die Zeit der innerdeutschen Teilung nicht miterlebt, aber genau deshalb sollten gerade diese jungen Menschen Bescheid wissen über die Zeit in der ehemaligen DDR.
Und so wurde Matthias Lisse eingeladen, vor den künftigen Abiturienten des Gymnasiums aus seinem Lebensbericht zu lesen, in dem der eindrucksvoll darstellt, wie er die Zeit hinter dem Eisernen Vorhang erlebt hat. Die gewählte Zeit erstreckt sich dabei von Juni 1961, dem Moment, in dem Walter Ulbricht gegenüber der Presse erstmals das Wort Mauer erwähnte, bis zum 9. November 1989, dem Tag, an dem sich der Schlagbaum öffnete und die DDR-Bürger visumfrei in den Westen reisen durften.
Der Autor berichtet von Zwängen, von Überwachung und Repressalien. Dass die persönliche Freiheit eingeschränkt sein könnte, ist für die heutigen Jugendlichen unvorstellbar. Die Überwachung durch die Stasi erscheint für viele genauso unglaublich wie die Tatsache, dass es in der DDR nicht immer alles zu kaufen gab. Prall gefüllte Supermärkte, wie wir sie heute kennen, existierten dort nicht. Und so appelliert der Autor an die jungen Zuhörer, sich immer der Tatsache bewusst zu sein, dass Wissen und Wollen neben der persönlichen Freiheit die höchsten persönlichen Güter sind.
Matthias Lisse konnte aus politischen Gründen nicht einfach Geschichte und Literatur studieren, sondern entschied sich für die Veterinärmedizin. Später wurde er Military-Reiter und Ausbildungsleiter des deutschen Vollblutgestüts der DDR, bevor ihm 1988 die Flucht in die Bundesrepublik gelang. Ein Jahr später folgten ihm seine Frau und seine Tochter. Gemeinsam bauten sie einen Reit- und Zuchtbetrieb in Bayern auf, wo sie noch heute leben.
Heike Lauber